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Musikprotokoll

Supernova | ORF musikprotokoll 2026 | steirischer herbst'26

Konzert

ORF-Landesstudio Steiermark

DOM IM BERG

Donnerstag, 08. Oktober 2026

Beginn: 19:30 Uhr

Einlass: 18:30 Uhr

TICKETINFOS

- ORF musikprotokoll 2026 -

- Supernova -

Wenn wir hinauf zu den Sternen schauen, dann blicken wir in einen Spiegel: Die scheinbar unendliche Tiefe des Universums finden wir auch in uns selbst, denn die Elemente, aus denen wir und unsere Mitlebewesen zusammengesetzt sind, sind entweder kurz nach dem Urknall oder durch Kernfusionen im Inneren von Sternen entstanden.

Das ORF musikprotokoll begibt sich heuer auf die Suche nach dem Ursprung. In zahlreichen Uraufführungen spüren die eingeladenen Künstler:innen der Verbindung zwischen dem Mikro- und dem Makrokosmos nach. Einen Kristallisationspunkt bilden die Ausstellung Supernova und das Symposium Space, Time and Material: Trajectories between Art and Science mit Lehrenden, Forschenden und Studierenden der Kunstuniversität Graz und der Universität Graz. Inspiration schöpften diese bei der SciArt Dialogue Week 2026 am CERN.

Die Ausstellung Supernova findet im Volkskundemuseum statt, das dieses Mal ein Festivalzentrum ist. In Worlds / Graz begibt sich u.a. Natasha Barrett auf die Suche nach Dunkler Materie. Dass ein Klavier niemals vollends aus der Stimmung und Fassung zu bringen ist – nicht einmal dann, wenn es in seine Einzelteile zerlegt wurde – zeigt die Performance Das relativ wohltemperierte Klavier.

Der erste Konzertabend führt in den Dom im Berg, wo unter anderem Marcus Schmickler und Chris Henschke versuchen, der Quantenphysik ein Stück näher zu kommen, und Elisabeth Schimana zu einer Reise in die Sonne lädt. Bei S.E.T.I. wird die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz zu einem Werkzeug der Introspektion.

Aber nicht nur auf naturwissenschaftlicher und philosophischer, sondern auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene lassen sich vielfältige Verbindungen zwischen dem Mikro- und dem Makrokosmos finden. Welche Risiken ist ein einzelner Mensch bereit, einzugehen, um gesellschaftspolitisch wirksam zu werden? Mehrmals hat das ORF musikprotokoll die Aufmerksamkeit auf die politische Gefangene Maria Kalesnikava gerichtet. Nach ihrer Entlassung im Dezember 2025 spielt die belarussische Flötistin und Bürgerrechtlerin nun mit dem RSO Wien in der Helmut List Halle.

Die Helmut List Halle ist ein zweiter zentraler Spielort. In der multimedialen Performance THE GREATER NOISE von Jennifer Walshe schrumpft das Universum auf die Größe des Konzertsaales. Weiters stehen Auftritte der Ensembles Zeitfluss, PHACE und Cantando Admont auf dem Programm. Unter der Leitung von Cantando Admont widmen sich mehr als 250 Sänger:innen – Profis, Jugendliche und Laien – der musikalischen Entschlüsselung von Leonardo da Vincis Klangrätsel und bringen dabei unter anderem Beat Furrers Chorzyklus ENIGMA zur Aufführung.

Das und noch mehr gibt es in dieser musikprotokoll-Woche zu erleben, die mit der Kammeroper Heute schrieb ich nix von Alexander Chernyshkov zu Ende geht. Sie wurde mit dem Johann-Joseph-Fux-Preis ausgezeichnet. Ganz zum Schluss noch einmal zurück zum Anfang: Genau genommen beginnt das Festival im Festival heuer bereits am 3. Oktober mit Graz spielt Steve Reich, einem 24-stündigen Fest unter der Leitung von STUDIO PERCUSSION graz zur Feier von Steve Reichs 90. Geburtstag. Rund 90 Musiker:innen sowie ein Extremsportler gestalten dieses einzigartige Ereignis, das den klassischen Konzertsaal verlässt und die Stadt selbst zur Bühne macht.

19:30 Uhr | BRANCHES & BYTES | Sofia Zaiceva & Andreas Trobollowitsch
20:15 Uhr | TAKTEN VON MASSE (STUDIES IN TIMING SPECTRA) | Marcus Schmickler & Julian Rohrhuber
20:45 Uhr | IN DIE SONNE | Elisabeth Schimana
21:15 Uhr | BEYOND THE QUANTUM HORIZON | Chris Henschke
22:00 Uhr | OBSERVATIONAL FIELD | S.E.T.I.
23:00 Uhr | STUDENT 3D AUDIO PRODUCTION COMPETITION 2026

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- BRANCHES & BYTES - Konzert

branches & bytes bringt zwei konträre klangliche Zugänge in denselben Raum: Digitale Klangprogrammierung trifft auf mechanisch-analoge Reibung. Die lettische Klangkünstlerin Sofia Zaiceva formt Klang über Code und algorithmische Strukturen, während der österreichische Komponist Andreas Trobollowitsch rohe, physische Texturen aus Ästen und rotierenden Holzscheiben gewinnt. Gemeinsam entwerfen sie ein hybrides Klangfeld, in dem Gegensätze aufeinanderprallen, sich verschränken und in unerwarteten Resonanzen auflösen.

Für diese Ausgabe des musikprotokoll erweitert das Duo seine Praxis und denkt Holz und Code als parallele Episteme der Resonanz – jede Sphäre legt offen, was die andere allein nicht artikulieren kann. Über Live-Verräumlichung, generative algorithmische Prozesse und physische Interaktion laden Zaiceva und Trobollowitsch dazu ein, den eigenen Hörmodus neu zu justieren und über Nähe, Dichte und Topologie von Materialien nachzudenken.

- TAKTEN VON MASSE (STUDIES IN TIMING SPECTRA) - Konzert

Die Komposition Takten von Masse (Studies in Timing Spectra) ist eine prismatische Zerlegung der Zeit und eine Studie minimaler Frequenzunterschiede. Sie geht von zwei verschiedenen Modellen der Teilchenphysik aus, die leicht unterschiedliche Massenspektren für dieselben Teilchen vorhersagen, ähnlich zwei Glocken aus verschiedenem Material, die beinahe, aber nicht exakt gleich klingen. Klang und elektromagnetische Phänomene fallen physikalisch an einem Punkt zusammen: Beide sind Schwingungen, beide besitzen Spektren, und ihre Beschreibung folgt denselben mathematischen Strukturen.

Die Studie nutzt diese Koinzidenz, um quantenmechanische Modelle in akustische Situationen zu übertragen: Resonanzkörper, deren Eigenfrequenzen die Massenzustände der Teilchen abbilden; Klangfelder, die zwischen den Theorien gleiten; Rhythmen, in denen das Spektrum zur zeitlichen Verteilung wird. Was erklingt, ist der Versuch, Information aus einer Welt spektraler Struktur in die sinnliche Domäne zu übersetzen, in der Menschen Spektren am differenziertesten wahrnehmen: den Klang.

Komposition, Sonifikation: Marcus Schmickler
Dramaturgie, Sonifikation: Julian Rohrhuber
Wissenschaftliche Beratung: Dr. Deborah Rönchen, Harrison B. Prosper, Arunima Bhattacharya

- IN DIE SONNE - Konzert

Die Lektüre von Stephen Hawkings Eine kurze Geschichte der Zeit inspirierte Elisabeth Schimana 2009 zu der Komposition des Stückes Sternenstaub. Dass wir aus Sternenstaub bestehen, ist nicht lediglich ein schönes poetisches Bild. Tatsächlich sind die Bausteine, aus denen wir zusammengesetzt sind, beim Urknall oder durch Kernfusionen im Inneren von Sternen entstanden, die dann bei Supernova-Explosionen in das Weltall hinausgeschleudert wurden. Der Mikrokosmos Mensch ist mit dem Makrokosmos unmittelbar verbunden. „pulsieren_implodieren_explodieren_und geborgen sind wir im Partikelwind der Sonne“, steht in einem begleitenden Text.

Ein Buch war es auch, das 2016 die Initialzündung für In die Sonne lieferte, nämlich ein Buch des steirischen Astronomen Arnold Hanslmeier. Beim Lesen von Die Sonne – der Stern von dem wir leben entstand die Vorstellung der Sonne „als riesiger Resonanzkörper für akustische Schwingungen, die sich zum Sonneninneren hin ausbreiten und reflektiert werden“. Der Titel In die Sonne ist wörtlich zu verstehen, denn das Stück lädt zu einer imaginierten Reise in das Zentrum dieses gigantischen, leuchtenden Gaskörpers ein, ohne dessen Strahlung es kein Leben auf der Erde gäbe.

- BEYOND THE QUANTUM HORIZON - Performance

Kein anderer Künstler hat sich derart fundiert mit der wissenschaftlichen Arbeit am CERN beschäftigt wie Chris Henschke. In zahlreichen Projekten hat er immer wieder neue Wege gefunden, um die komplexen und oftmals schwer greifbaren Forschungsinhalte sinnlich erfahrbar zu machen. Dabei standen vor allem die Teilchenkollisionen im Large Hadron Collider im Mittelpunkt, die von den vier Teilchendetektoren vermessen werden. Das neue audiovisuelle Werk Beyond the Quantum Horizon, zu dem Chris Henschke während der SciArt Dialogue Week 2026 inspiriert wurde, markiert einen Wendepunkt. Die Frage, wie eine Teilchenkollision überhaupt erst möglich ist, führte den Künstler zu der Erforschung der Quantenfelder.

„Diese Frage hat eine ontologische und ethische Dimension“, so Henschke. „Wenn die physische Realität ein Quantenfeld ist, dann ist alles fundamental verbunden und es gibt keine Möglichkeit der absoluten Trennbarkeit. Die Philosophin Karen Barad verwendet den Begriff ,intra-aktiv‘, um unsere Interaktionen mit anderen Einheiten zu beschreiben, seien es nun Menschen oder Teilchen. Menschen, andere Organismen, Technologien, künstliche Systeme, Ökosysteme, es handelt sich dabei immer um energetische Prozesse innerhalb geteilter Felder, die sich in einem fortwährenden ‚Tanz der Handlung‘ befinden, wie der Physiker und Philosoph Andrew Pickering konstatiert.“

- OBSERVATIONAL FIELD - Konzert

Anfang der 1990er-Jahre gründete Andrew Lagowski sein Solo-Projekt S.E.T.I., mit dem er auch auf das gleichnamige kalifornische Institut aufmerksam machen wollte, das sich seit 1984 der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz widmet. Als musikalisches Ausgangsmaterial dienen dem Künstler durch das Internet schwirrende Files von extraterrestrischen Schwingungen, die von Wissenschaftler:innen im Rahmen diverser Raumfahrtprogramme eingefangen und in Klang übersetzt wurden. Aber auch die Klänge selbst imaginierter Kommunikationsformen mit außerirdischen Lebensformen fließen in die Musik ein.

Dabei hat Lagowski im Laufe der Jahre die vier Buchstaben seines Künstlernamens immer wieder kreativ gewendet. Als Reaktion auf die menschlichen Versäumnisse angesichts der mannigfaltigen Krisen standen sie etwa bereits für „Search for Evidence of Terrestrial Intelligence“. Und auch anlässlich der Komposition des jüngsten Werkes Observational Field erhielt S.E.T.I. eine neue Bedeutung. Hier steht das Kürzel für „Scientific Evidence Translated for Introspection“. Und wieder spiegelt sich der Makrokosmos im Mikrokosmos, wenn in Klang übersetzte extraterrestrische Schwingungen als Reflexionen kognitiver Prozesse neu interpretiert werden. Die gedankliche Reise hinaus in das Weltall wird zu einer Suche nach dem innersten Selbst.

- STUDENT 3D AUDIO PRODUCTION COMPETITION 2026 - Public Listening

Die Student 3D Audio Production Competition feiert ihre zehnte Ausgabe. Anders als Stereo oder herkömmlicher Surroundsound, der Klang auf einer Ebene um die Hörenden herum verteilt, arbeitet 3D-Audio mit der vollen Räumlichkeit: Klangquellen können präzise verortet werden – auch über den Köpfen, in jeder beliebigen Richtung und Entfernung. Studierende aus aller Welt reichen Arbeiten in 3D-Audio ein, in den Kategorien zeitgenössische Computermusik, Hörspiel/Soundscape und Studioproduktion. Eine internationale Jury wählt die Finalist:innen aus.

Beim ORF musikprotokoll sind die ausgezeichneten Arbeiten der Kategorie Zeitgenössische Musik zu hören – auf dem 50-Kanal-Lautsprechersystem des Dom im Berg, das die räumliche Gestaltung dieser Stücke unmittelbar erfahrbar macht. Zehn Jahre nach der ersten Ausgabe hat sich das kompositorische Arbeiten mit 3D-Audio fest etabliert. Das Public Listening präsentiert herausragende Arbeiten einer internationalen Szene auf höchstem Niveau.

Informationen zu Rollstuhlplätzen und ihrer Verfügbarkeit sowie deren Bestellung erhalten Sie telefonisch unter 0316/8008-9000 oder per E-Mail an: grazer@spielstaetten.at. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

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